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Heimleben

Heim 1

Heim 2

Das erste Mal bin ich mit 9 Jahren nach Dinkelsbühl geschickt worden. Ein kleines, schönes und sehr altes Städtchen, für eine Jugend sehr geeignet. Mit vielen Fachwerkhäusern und Natur. In dem Heim war jedes Alter und Geschlecht vertreten und so habe ich schnell lernen müssen, was es heißt sich unterzuordnen.

Mein erstes Schlüsselerlebnis hatte ich an dem Esstisch, an dem ich mich am ersten Morgen niedersetzte. Wenige Minuten später bekam ich von dem ältesten Heimbewohner einen Schlag auf dem Hinterkopf. Mit der Aufforderung, ich solle mich gefälligst nicht auf seinen Platz setzten. Später hatte er mir auch noch mal eine mit Mühe aufgebaute Legoburg kaputtgeschlagen, ich glaube er hatte nie eine Gelegenheit ausgelassen, um mich zu schikanieren. So auch beim Fußball, wo er mich so über faulte, dass ich ins Krankenhaus musste. Manche dort waren wirklich nicht einfach.

Das Heim wurde geführt von einem alten und kranken Mann, der nur noch in seiner abgetrennten kleinen Wohnung lebte. Immer dann, wenn ich mich bei ihm melden musste, sah ich ihn auf dem Sofa liegen. Zudem war dort eine Erzieherin, die sichtlich übergewichtig und zuckerkrank war. Was mir eines Tages auch zum Verhängnis wurde. Ich holte einige Spritzen aus Neugier aus dem Mülleimer, wollte damit spielen. Als das die Erzieherin sah, bekam ich wieder einmal ein paar hinter die Löffel. Sie war mächtig sauer. 

Ansonsten war es schon eine schöne Zeit. Es gab nachmittags stets gemeinsames Lernen unter Aufsicht. Sonntags musste ich zur Kirche, wobei wir meistens nur das Programm holten und dann in einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Fernsehraum Comics sahen und Süßigkeiten naschten. Ich bekam 5 DM in der Woche für mich und meistens kaufte ich davon die besagten Süßigkeiten. Was sonst. 

Ich kann mich auch an einen Garten erinnern, zu dem wir fast täglich rausgefahren sind. In einem Reno 4. Es mussten immer ziemlich viele mitfahren, also presste ich mich in den Fußraum des Beifahrers. Ich glaube wir sind da mit acht Personen hingefahren. Kurz vor Erreichen des Gartens wurden wir rausgeschmissen, mussten vor dem Auto hergehen und Schnecken einsammeln, damit sie nicht überfahren werden. In dem Garten wurde etwas Gemüse angebaut, und ein Schreberhäuschen gab es auch. Und ein kleines Bächlein führte genau an unserem Garten entlang, in dem wir des öfteren kleine Frösche gefangen haben. Aber meistens wurden wir zu irgendwelchen dummen Aufgaben eingeteilt, so auch das Auflesen von Kartoffelkäfern.

Im Sommer sind wir oft in das Flussbad gegangen. Das Wasser war nur im Hochsommer angenehm warm. An einem solchen Tag passierte mir ein Ungeschick. Ich hatte mit Freunden auf dem Holzsteg gespielt und einen Freund ins Wasser gestoßen und übersehen, dass dort ein anderer Junge tauchte. Er fiel so ungeschickt, dass er dem tauchenden Jungen das Schwimmbrillenglas zerbrach und ihm leider gefährliche Verletzungen im Augenbereich und eine Fleischwunde im Hüftbereich zufügte. Da war was los. Ich habe sofort den Ranzen voll bekommen und musste das dem Heimleiter sofort melden. Der mich dann gleich zum Kohlschaufeln und Stubenarrest verdonnerte.

Insgesamt waren die drei Jahre eine schöne Zeit. Es war alles sehr natürlich, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu traditionell. So auch die Tatsache, dass dort noch mit Kohle geheizt wurde und die Betten meist mit Stroh gefüllt waren. Ich bin dort auch zur Schule gegangen, aber ich kann mich nur an de Örtlichkeit als solche erinnern. Dramatisches spielte sich dort nicht ab.

Fest steht, dass eine individuelle Erziehung nur mit viel mehr Erziehern gelungen wäre. Aber für mein Leben konnte ich keinen Nachteil erkennen.

Heim 2





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